Gleichberechtigte Partnerschaft – Eltern als Team!

Hier erzählen Paare, wie sie ihr Leben mit Kindern und Job meistern

Carina und Benjamin

In Deutschland ist das klassische Zuverdiener-Modell am verbreitetsten. Meistens ist der Mann der Hauptverdiener und die Frau kümmerst sich hauptsächlich um Haushalt und Kinder und geht zusätzlich in Teilzeit arbeiten. Mit Gleichberechtigung hat das wenig zu tun. Mit dieser Serie möchte ich vorstellen, dass es anders geht. Es gibt sie, die gleichberechtigten Paare, die das Familienleben gemeinsam wuppen. Hier ist eins von ihnen.

Eltern als Team - gemeinsam funktioniert es besser

In welcher Lebensphase befindet ihr euch gerade?

Unser Großer ist 5 Jahre alt und geht in die Kita, seit er 18 Monate alt ist. Unser zweiter Sohn ist 18 Monate alt und gerade in die Kita gekommen. Nach der Geburt war ich (Carina) ein Jahr zuhause, dann war Benjamin 6 Monate in Elternzeit und hat sich Vollzeit um beide Kinder gekümmert, während ich wieder arbeiten gegangen bin.

Wie teilt ihr euch auf und wie kam es dazu?

Das Modell mit der geteilten Elternzeit hatten wir schon beim ersten Kind. Unsere Kita nimmt Kinder erst mit 18 Monaten auf – nach 13 Monaten gab es kein Elterngeld mehr und wir standen finanziell tatsächlich besser da, als ich wieder arbeiten gegangen bin. Es war zunächst also eine rein rechnerische Entscheidung.

Dass das Modell für uns perfekt war, hat sich erst in der Umsetzung gezeigt: Benjamin sagt heute, dass die Elternzeit mit die beste Zeit in seinem Leben war und er es wunderbar fand, sich Vollzeit um die Kinder zu kümmern und ich hatte nach einem Jahr zuhause genug und wollte gern wieder arbeiten.

Nachdem wir uns also bei unserem ersten Kind die Elternzeit aufgeteilt hatten und es für uns beide so ein Gewinn war, war uns klar, dass wir das wiederholen.

Außerdem arbeiten wir seit der Geburt unseres ersten Kindes beide in Teilzeit mit 80 %. Das heißt: jeder von uns arbeitet vier volle Tage und hat einen Tag frei. Der, der frei hat, übernimmt die Kinder an diesem Tag, also bringt sie in die Kita, holt sie ab, nimmt Termine wahr etc. An den Tagen, an denen wir beide arbeiten, wechseln wir uns ab.

Welche Widerstände gibt es? Was ist euer größter Upfuck?

Als Mann in Elternzeit zu gehen und in Teilzeit zu arbeiten, ist in Deutschland leider immer noch ungewöhnlich und die Arbeitgeber meines Mannes waren damit zunächst überfordert. Für die Teilzeit war dann auch ein Jobwechsel nötig, weil das beim alten Arbeitgeber nicht möglich gewesen wäre.

Wir hören oft von anderen Eltern, dass sie unser Modell toll finden und das auch gerne so machen würden, aber bei ihnen “würde das nicht gehen”. Wir denken uns: wo ein Wille ist, ist meistens auch ein Weg. Am Wichtigsten ist es, offen miteinander zu kommunizieren. Vielleicht fühlt man sich im klassischen Modell auch wohl? Dann ist das völlig in Ordnung. Wünscht sich die Mutter aber mehr Unterstützung zuhause oder will der Vater sich mehr einbringen, sollte man die verschiedenen Möglichkeiten ernsthaft durchsprechen. Nur weil es für Arbeitgeber aktuell noch unüblich ist, Väter in Elternzeit oder in Teilzeit zu schicken, heißt das nicht, dass es nicht möglich ist. Manchmal muss man einfach nur fragen. Manchmal ist tatsächlich auch ein Jobwechsel nötig. Aber vielleicht ist das ja auch eine Chance, sich umzuorientieren.

Welche Gedanken habt ihr euch vor der Elternzeit gemacht?

Vor der ersten Elternzeit hatten wir es tatsächlich nicht auf dem Schirm, dass wir die Kinderbetreuung aufteilen können. Heute ist uns klar: Erziehung ist ein 50:50-Projekt.

Womit habt ihr zu kämpfen, wenn es um den Wiedereinstieg in den Beruf geht?

Für mich war der Wiedereinstieg nach dem ersten Kind zunächst unproblematisch: ich konnte auf meine alte Stelle zurück. Allerdings habe ich dann doch schnell gemerkt, dass ich nicht mehr so flexibel bin und auch keine Lust mehr habe, unzählige Überstunden zu schieben. Ich habe mir dann einen neuen Job gesucht. Während meiner zweiten Elternzeit habe ich dann direkt verhandelt, dass ich nach der Rückkehr neue Aufgaben und mehr Gehalt möchte. Dass ich das mache, hätte ich mir früher nie vorstellen können. Aber inzwischen arbeite ich als Rhetoriktrainerin für Frauen und zeige anderen Frauen, wie sie überzeugend verhandeln und das einfordern, was sie brauchen. Das ist gerade beim Wiedereinstieg sehr wichtig. Ich erlebe es sehr oft, dass hochkompetente und super ausgebildete Frauen nach der Elternzeit plötzlich schlechter gestellt sind. An diesem Punkt unterstütze ich andere Frauen, für sich einzustehen und bessere Bedingungen zu verhandeln.

Was beschäftigt euch am meisten beim Thema „Arbeiten mit Kindern?

Unsere 50:50-Aufteilung ermöglicht uns beiden sehr viel: wir können beide mehr arbeiten und haben beide Quality Time mit den Kindern. Aber machen wir uns nix vor: sobald einer krank wird oder auf Dienstreise oder ähnliches muss, wackelt auch unser Kartenhaus. Da müssen auch wir organisieren und uns eng abstimmen, damit alles weiterläuft. Arbeit auf Abruf, längere Dienstreisen und Überstunden ohne Ende sind mit den Kindern nicht drin – will ich aber auch gar nicht mehr.

Wenn du dir was wünschen könntest, was würdest du dir zum Thema Elternzeit und Wiedereinstieg wünschen?

Hier könnte ich viele Wünsche nennen, beschränke mich aber auf einen, der schon viel verändern würde: ich wünsche mir Flexibilität von den Arbeitgebern: Teilzeitmodelle für Mütter UND Väter ohne Benachteiligung, flexiblere Arbeitszeiten und Home Office für alle, die Bedarf danach haben.

Carina Tenzer hat 2 Söhne und teilt sich Elternzeit, Arbeitsstunden und Kinderbetreuung mit ihrem Mann auf. Sie arbeitet als Rhetoriktrainerin für Frauen und unterstützt Frauen unter anderem dabei, bessere Bedingungen für den Wiedereinstieg auszuhandeln.

Hier geht es zur Homepage von Carina.

Du lebst auch ein gleichberechtigtes Familienmodell und ihr teilt euch Erwerbs- und Sorgearbeit fair auf? Wenn ihr Teil der Rollenvorbilder-Serie werden wollt, schreib mir.

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