Schweres Gepäck: Mental Load – Mütter als Familienmanagerinnen

Alles im Kopf - Mental Load bei Müttern

Jetzt im Corona-Shutdown häufen sich die Aussagen, dass sich das traditionelle Rollenbild verschärft hat. Kitas sind geschlossen. Die Betreuung durch die Großeltern ist nicht sinnvoll. Es sind die Mütter, die die Hauptlast der Sorgearbeit tragen. Seit über fünf Wochen wird Kinderbetreuung und Erwerbsarbeit unter einem Dach jongliert. Es ist kein Ende in Sicht von einem Zustand, der eigentlich nicht möglich ist: zwei Jobs zeitgleich auszuüben.

Das zeigt, die unsichtbare Arbeit von Müttern wird gesellschaftlich nicht gewürdigt. Noch nicht einmal anerkannt. Kinder laufen nebenbei. Dabei gibt es neben den offensichtlichen Aufgaben wie Wäsche waschen und Essen kochen viele unsichtbare Aufgaben: das Mitdenken für alle Prozesse. Die meisten davon im Kopf der Frau. Das ist Mental Load.

Was ist Mental Load?

Mental Load ist die unsichtbare Arbeit, die nötig sind, um die sichtbare Arbeit zu erledigen. Es geht um die alltägliche Verantwortung und das Organisieren von Haushalt und Familie. Mental Load schließt auch die emotionale Arbeit, wie Beziehungspflege und Bedürfnisbefriedigung.

Mach den kostenlosen Mental Load Test: Wer kümmert sich bei euch um was? Wie steht es um deine Auslastung?

Lässt man Google „Mutter sein ist“ in der Suche vervollständigen, dann erst auf dem siebten Platz etwas positives. Davor kommt: schwer, schrecklich, ein Vollzeitjob, nicht einfach, anstrengend, so anstrengend (Stand 23.4.2020)

Mentale Gesundheit als Mutter

Eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) findet Gründe: Das mentale Wohlbefinden von Müttern verschlechtert sich häufig in den ersten sieben Jahren nach der Geburt eines Kindes. Bei knapp einem Drittel handelt es sich dabei um „substanzielle Verschlechterung“. Diese Verschlechterung äußert sich in: mentalem Stress, stressbedingter und sozialer Rückzug, depressive Verstimmung und Angstgefühle. 17,1% erleben eine leichte Verschlechterung.

2018 informierten sich 131.000 Mütter (und 6.000 Väter) beim Müttergenesungswerk über eine Kur. 65.000 stellten daraufhin einen Antrag auf eine Kur. Das waren mehr als im Vorjahr. Die Zahlen für 2019 liegen noch nicht vor. Ich bin mir sicher, dass sie weiterhin steigen.

Warum ist der Mental Load so groß?

Wenn eine Aufgabe erledigt ist, sieht man ihr Endergebnis. Die ganzen Prozesse, die dafür nötig waren und die Zeit, die sie in Anspruch genommen hat, bleiben unberücksichtigt.

Ein Beispiel: Tagesmutter finden

Eine geeignete Kinderbetreuung für die Kleinsten zu finden, ist vor allem in Ballungsgebieten ein reiner Kraftakt.

  • Offizielle Stelle kontaktieren, Infos einholen
  • Anträge herausuchen, runterladen, ausfüllen, abschicken
  • Bekannte Eltern Fragen wo sie sind, ob Plätze frei sind
  • Auf verschiedenen Spielplätzen Tagesmütter ansprechen
  • In Social Media suchen
  • Ggf. Flyer gestalten, drucken aufhängen
  • Anfragen stellen
  • Ein Kennenlerngespräch arrangieren
  • Den Überblick über alle Kontakte behalten
  • Betreuungsmodalitäten klären
  • Betreuungsvertrag unterzeichnen
  • Liste mit Dingen, die bei der Tagesmutter gebraucht werde, erstellen

Wie man sieht, geht es nahtlos weiter. Ist der eine Prozess erledigt, folgt der nächste. Jemand muss die Pflegeutensilien und Wechselklamotten, die bei der Tagesmutter gebraucht werden, besorgen. Dann folgt das Thema Eingewöhnung….

Wenn du die Arbeit sichtbar machen möchtest, hol dir den kostenlosen Mental Load Selbsttest.

Wer sich ständig um alles kümmert hat keine Zeit für sich. Die Überlastung folgt. Für Mental Load gibt es ein schönes Bild, dass immer mal wieder scherzhaft genutzt wird: In meinem Kopf sind zu viele Tabs offen und ich habe keine Ahnung woher die Musik kommt.

Woher kommt der Mental Load? – Erwartungen überall

Meistens fängt es mit der Geburt des ersten Kindes an. Vorher war genug Zeit vorhanden. Und ein ganz wichtiger Punkt: es gab keinen zusätzlichen Menschen, für den mitgedacht werden muss. Durch unsere gesellschaftliche Prägung haben wir alle ein gewisses Rollenbild im Kopf. Dessen sind wir uns oft gar nicht bewusst. Selbst, wenn wir von diesem Rollenbild nicht überzeugt sind, fällt unser Gehirn in den Autopiloten, wenn es Energie sparen muss und wir tun, was wir kennen. Mit einem Neugeborenen und wenig Schlaf, muss unser Gehirn dauernd Energie sparen.

Dazu wird uns in den Medien das Bild der perfekten Mutter suggeriert. Immer gestylt, immer gut gelaunt und immer glücklich über ihre kleine Familie. Instagram und co. Setzen noch einen drauf und man kann katalogähnliche Kinderzimmer und Küchen bewundern. Das suggeriert „Wenn die anderen es können, muss ich es auch können.“ Die eignen Erwartungen werden hochgeschraubt.

Was hilft gegen Mental Load?

„Immer bin ich es, die sich um alles kümmern muss. Wenn ich es nicht mache, dann macht es keiner.“ Kommt dir der Gedanke bekannt vor? Dann steckst du mitten drin. Hier ein paar Auswege.

Die Mentale Last wird nicht verringert, in dem die Aufgaben delegiert werden. Aufgaben alleine abgeben bringt nichts, es müssen ganze Prozesse abgeben werden. Im ersten Schritt geht es darum, die Aufgabenverteilung und somit den Mental Load sichtbar machen. Das geht am besten mit dem kostenlosen Selbsttestkönnt (Zum kostenlosen Test). Sprecht darüber und findet neue Verteilungen. Wiederholt den Vorgang, bis es für beide Seiten passt.

Ansprüche überdenken

Hinterfrage dich, warum du Dinge machst, wie du machst. Willst du es wirklich so haben, oder „macht man das so“? Falls du es nicht so haben willst, dann bist du in den Autopiloten gerutscht. Finde heraus, was dir wichtig ist. Alles andere kann weg. Lerne damit umzugehen, dass andere Menschen Dinge anders erledigen. Akzeptiere, dass eine ständig aufgeräumte Wohnung mit Kleinkind eine Mammutaufgabe ist. Ich habe eine Weile gebraucht, bis ich das akzeptiert habe. Ein ordentliches Umfeld beflügelt mich. Ständig alles wegzuräumen raubt mir zu viel Energie. Also räumen wir als Familie einmal am Tag auf, abends vor dem Abendessen. Das muss nicht dein Weg sein. Jede Familie hat ihren eigenen Weg. Findet euern Weg und bleibt im Dialog darüber.