7 Dinge, die ich über den Wiedereinstieg nach der Elternzeit gerne von Anfang an gewusst hätte

Mein beruflicher Wiedereinstieg nach der Elternzeit verlief mindestens holprig, wenn nicht sogar schleppend. Von mangelnden Jobs, auf die ich mich bewerben konnte, hin zu Absagen, weil ich nur Teilzeit arbeiten möchte über wachsende Selbstzweifel, was meine Fähigkeiten und Wert als Arbeitnehmerin angeht. Dazu noch ein paar (übliche) Probleme, was die Kinderbetreuung betrifft. Und zerissen sein zwischen endlich mal wieder arbeiten wollen auf der einen Seite und das Kind eigentlich nicht an die Tagesmutter abgeben wollen. Alles in allem, gab es auf dem Weg einige Überraschungen für mich, auf die ich gerne besser vorbereitet gewesen wäre. Manches hätte ich vorher wissen oder zumindest ahnen müssen. Aber da habe ich gerne die Augen verschlossen. Manches traf mich völlig unvorbereitet. Ein Aufklärungsversuch.

Ein steiniger Weg zurück in den Job

Irgendwie habe ich mir den Wiedereinstieg in den Beruf schöner vorgestellt. Immerhin habe ich studiert, in international tätigen Unternehmen gearbeitet, kann Erfahrung als Geschäftsführerin nachweisen, spreche zwei Fremdsprachen und könnte eine dritte schnell wieder auffrischen, habe Jahrzehntelang Mannschaftssport gespielt, was in mein Teamfähigkeitskonto einzahlt. Ich finde, ich bringe eigentlich ein ganz gutes Paket mit. Das dachte ich mir, als ich mit dem Bewerben angefangen habe. Aber Teilzeitjobs sind rar. Gute Teilzeitjobs sind quasi unauffindbar. Und dann bin ich halt noch Mutter. Als Mutter habe ich das Stigma „Das Kind steht über allem. Die ist eh ständig weg, weil das Kind krank ist. Die will nur Teilzeit. Die bringt sich nicht voll in die Firma ein.“ Echt jetzt? Was bin ich blauäugig in meine Jobsuche gestartet. Ich dachte wirklich, ich bin was wert. Aber der Arbeitsmarkt und das Arbeitsamt haben mich eines besseren belehrt. Im Arbeitsamt sagte man mir, dass man nach fünf Jahren ohne Job als unqualifiziert gilt. Wie bitte?! Da bin ich doch fast rückwärts vom Stuhl gekippt. Das saß.

Und das nagte. Die nicht enden wollenden Absagen, die ins Haus flatterten, taten ihr übriges. Sie helfen auch nicht dabei, den Elan zu behalten und in jede Bewerbung mein bestes zu legen. Ich fing an, über einen Kassenjob bei Aldi nachzudenken. Und zweifelte, ob ich dafür qualifiziert genug bin. Mit einem abgeschlossenen BWL Studium. „Ich kann nichts. Ich bin nichts wert. Wer will mich überhaupt“ diese Gedanken fingen an in meinem Kopf zu kreisen. Draußen waren gefühlt abertausende junge Menschen, frisch von der Uni, die ihre ganze Zeit in die Firma stecken würden, die wahrscheinlich eine Reihe Praktika hinter sich hatten und bereit waren sich aufzuopfern.

 

  • Der Weg zurück in den Job wird steinig

  • Meine Qualitäten als Mutter

  • Selbstbewusstein wo bist du?

  • Stress mit der Kinderbetreuung

  • Kranke Kinder kommen immer ungelegen

  • Personalmangel im Kindergarten

  • Wenn ich arbeite, bin ich eine bessere Mutter

Qualitäten als Mutter

Was ich in den letzten Jahren gemacht hatte war: Nase putzen, Windeln wechseln, Sandburgen bauen. Meine Fähigkeiten waren verkümmert, während meiner Elternzeit. So dachte ich damals. Ja, mir war auch fürchterlich langweilig zwischendurch. „Oh toll, ein Blatt.“ Nicht. Toll. Es fiel mir teilweise schwer mich immer und andauernd über die Neugier und die Unbedarftheit meiner Kinder zu freuen. Das konnte ich natürlich auch. Das sind die goldenen Momente des Mamaseins. Mitfreuen, mitfühlen, ein Stück weit selbst wieder Kind sein. Und stolz sein. Aber wenn ich wirklich gerne nach Hause will, kalte Füße habe, auf Toilette möchte und auch einfach mal nicht mehr gefordert werden möchte, sondern meine Ruhe will, dann ist das kein tolles Blatt. Dann ist das ein Blatt von tausenden anderen, die vom Baum fallen. Bei solchen Spaziergängen fing ich dann an zu zweifeln. Ich fragte mich, kann ich überhaupt noch vernünftige Gespräche mit erwachsenen führen? Also mal ab vom Mama-Talk über die Belange der Kinder. Kann ich noch Sätze mit Nebensätzen? Mit jeder Absage wurden die Zweifel größer und der Mut kleiner. Ich war irgendwann wirklich ein Häufchen Elend.

Jetzt, im Nachhinein, bin ich mit bewusst, welche Fähigkeiten ich durch mein Mutter-Sein erarbeitet habe. Soft-Skills würden Personaler sagen. Wenn man die Herausforderungen der Kinder annimmt, lernt man unendlich viel durch und mit den eigenen Kindern. Da kommt mein Baby auf die Welt und ich habe keine Ahnung, wie Eltern-Sein funktioniert. Was bleibt anderes übrig, als mich der Herausforderung zu stellen. Was bin ich oft an meine Grenzen gekommen. Sehr oft. Schlafentzug und Unverständnis, was dieses Baby denn jetzt schon wieder hat und will. Wer oft an seine Grenze geht, erweitert seine Komfortzone. Alleine durch die Beobachtung und das Einlassen auf dieses hilflose Bündel habe ich meine Beobachtungsgabe was die Gefühlswelt anderer geht, wahnsinnig geschult. Meine Empathie hat einen gehörigen Sprung gemacht. Außerdem habe ich Bücher über die Entwicklung des menschlichen Gehirns gewälzt und dadurch auch mein eigenes Verhalten besser verstanden.

Selbstbewusstein, wo bist du?

Auf Instagram habe ich andere Mütter gefragt: Prioritäten besser setzen. Organisation bis hin zum Projektmanagement waren die Top-Antworten. Die Liste könnte ich jetzt noch weiter ausführen. Konfliktmanagement. Das ist auch eine Fähigkeit, die man durch Kleinkinder lernt. Das Problem daran ist. Wir Mütter machen uns dessen nicht bewusst. Wenn doch, dann viel zu selten. Generell ist es leider so ein Frauending, die eigenen Kompetenzen zu unterschätzen und die der anderen zu überschätzen. Führungskräfte bekommen Fortbildungen und Seminare. Wir widmen uns dem Kind und lernen Führungsqualitäten. Noch dazu kommt, dass Menschen Gelerntes besser verinnerlichen, wenn sie es nebenbei lernen. Du kannst zuhause Englisch-Vokabeln und Grammatik lernen. Oder ein Jahr im englischsprachigen Ausland leben. Die Wahrscheinlichkeit, dass du Englisch bei der zweiten Variante verinnerlichst ist ungemein höher. Das heißt nicht, dass du für den Rest deines Lebens Englisch kannst, aber du kommst viel selbstverständlicher wieder rein. Deine Führungsqualitäten, die du durch deine Kinder bekommst, kannst du ungefähr 18 Jahre lang immer weiter ausfeilen.

Stress mit der Kinderbetreuung

Ich habe irgendwann einen Job gefunden. Weit unter meiner unteren Gehaltsvorstellung, aber inhaltlich interessant, sehr familienfreundlich und nur zehn Minuten von Kindergarten und Tagesmutter entfernt. Was hat mir das für einen Selbstbewussteins-Boost gegeben. Endlichh wieder geldwerter Arbeit nachgehen. Es mag Menschen geben, die brauchen das nicht. Ich brauche das. Ich brauche vor allem inhaltliche Herausforderungen und das Gefühl, etwas beizutragen. Der Jobstart hat zeitlich sogar so gepasst, dass er noch in die Papa-Elternzeit fiel. Ein Tagesmutter hatten wir sogar auch. Eigentlich war alles klar. Bis wir von den Urlaubsplänen der Tagesmutter erfuhren. Es blieb für uns: zwei Tage Kennenlernen, drei Wochen Pause. Eine Woche Eingewöhnung. Mist. Also haben wir Urlaub eingereicht. Die Eingewöhung wird schon innerhalb von drei Wochen klappen. Ich habe mir das so vorgestellt, dass wir jeden Tag zur Tagesmutter gehen und das Kind immer ein bisschen länger da bleibt. Und nach zwei Wochen oder so, geht es dann gerne hin. Beim großen Kind war das auch so. Aber kein Kind ist wie das andere. Das kleine Kind mochte irgendwie seine Tagesmutter nicht und schrie und weinte schon morgens, spätestens nach verlassen des Hauses. Wie. Am. Spieß. Das ist ein Stresspegel, den ich mir als Nicht-Mutter überhaupt nicht vorstellen kann. Stress, gepaart mit Schuldgefühlen, gepaart mit Gedankenkarussell, was das Kind denn hat. Zwei Monate lang haben wir versucht das Kind an die Tagesmutter zu gewöhnen. Zwei Monate lang, bei denen einige Urlaubstage drauf gingen, ich sehr oft angerufen wurde und letztendlich die Oma das brüllende Kind zur Tagesmutter gebracht hat. Bis wir die Reißleine gezogen haben. Ich konnte und wollte so nicht weiter machen. Eigentlich hätte ich es vorher wissen müssen: plane nie ein, wie dein Kind sich verhält. Und wenn doch. Nimm den Worst Case und packe 10 Prozent Zeitpuffer drauf. Es wird anders kommen. Garantiert.

Kranke Kinder

Was auch garantiert kommt, ist der Anruf aus dem Kindergarten, dass das Kind krank ist. Man weiß das. Ich wusste das. Aber es kommt dennoch jedes Mal überraschend und zum unpassensten Zeitpunkt überhaupt. Darauf vorbereitet war ich auch nicht. Was muss ich denn machen, wenn mein Kind krank ist? Also wer braucht welche Bescheinigung und wie ist das gesetzlich geregelt? Mittlerweile weiß ich das (siehe Infokasten). Dennoch kommt eine krankes Kind immer ungelegen. Ich muss gestehen, dass mein erster Impuls bei einem solchen Anruf auch nicht „Oh, mein armes Kind“ sondern viel mehr „Echt jetzt?!“ ist. Und dann poppt natürlich direkt der Rabenmutter-Gedanke auf. Nachdem wir eine Zeit lang bei jeder Kinderkrankheit ins Straucheln kamen, haben wir uns zusammen gesetzt und einen Notfallplan aufgestellt. Wer holt das Kind. Wer betreut es wann. Miteingeflossen in diese Planung sind wichtige Arbeitstermine und Flexibilität der Arbeitgeber. Da ich recht flexibel arbeiten kann, decke ich auch den Löwenteil der Krankheiten ab, allerdings versuche ich dann nachzuarbeiten. Im Idealfall sogar vorzuarbeiten, so dass es immer einen kleinen zeitlichen Puffer gibt. Um ehrlich zu sein, klappt das selten.

Besser vorbereitet bei kranken Kindern

Die Kita rut an, das Kind ist krank – was nun?

Ich darf den Arbeitsplatz verlassen und das kranke Kind abholen, wenn keine andere im Haushalt lebende Person das übernehmen kann.

Wenn das Kind morgens krank ist, bevor ich bei der Arbeit bin, muss ich meinen Arbeitgeber informieren, dass ich nicht komme und wie lange ich nicht kommen kann.

Bekomme ich Geld?

Gesetzlich versicherte, verheiratete Eltern bekommen mit gesetzlich versicherten Kindern Krankengeld. Dafür muss das Kind jünger als zwölf sein und ein Attest vom Arzt vorliegen.

Mama pro Kind = 10 Tage Kinderkrankengeld pro Jahr

Papa pro Kind = 10 Tage Kinderkrankengeld pro Jahr

Bei drei oder mehr Kindern

Mama = 25 Tage Kinderkrangengeld pro Jahr

Papa = 25 Tage Kinderkrangengeld pro Jahr

Alleinerziehende bekommen jeweils das doppelte.

Man kann seinen Anspruch auch an seinen Ehepartner abgeben. Das geht aber nur, wenn beide Arbeitgeber zustimmen.

Wenn die 10 Krankentage pro Elternteil aufgebraucht sind und der Arbeitgeber eine unbezahlte Freistellung oder Homeoffice verweigert, musst du Urlaub nehmen.

Privat versicherte, Selbständige und Beamte haben keinen Anspruch auf Kinderkrankengeld

Es gibt eine Regelung im Bürgerlichen Gesetzbuch, dass weiterhin Lohn gezahlt wird, wenn der Arbeitnehmer unverschuldet für kurze Zeit ausfällt. Dazu verpflichtet ist der Arbeitgeber allerdings nicht. Oft gibt es eine Regelung im Arbeitsvertrag. Daher mal den Arbeitsvertrag checken, z.B. auf Formulierungen wie „Nur tatsächlich geleistete Arbeit wird auch vergütet.“

Im Allerbesten Fall, die Regelungen mit dem Arbeitgeber beim Rückkehr-Gespräch besprechen. Denn eines ist sicher: irgendwann ist jedes Kind krank.

Wenn alle krank sind außer ein Elternteil?

Dann darf das andere Elternteil von der Arbeit fern bleiben. Ob es dafür Geld gibt, ist nicht ganz klar. Am besten mit dem Arbeitgeber besprechen.

Tut mir leid, heute keine Betreuung möglich

Dass das eigene Kind mal krank werden wird, liegt innerhalb der eigenen Vorstellungskraft. Was mich aber komplett auf dem falschen Fuß erwischt hat, war der erste Tag, in dem im Kindergarten der Handlungsleitfaden galt. Handlungsleitfaden? Ja, genau so habe ich auch gefragt. Kurz gesagt heißt das: es sind zu viele ErzieherInnen krank, es können nicht alle Kinder betreut werden. Wer zu spät kommt hat Pech. Wie bitte?! Da habe ich nach monatelangem Suchen, Telefonieren, Nachhaken, über nichts Anderes mehr Reden und Denken endlich eine Betreuung für die Kinder gefunden. Sogar beide im Kindergarten, denn das eine Tagesmutter mal krank wird, kommt vor. Endlich kann ich mich wieder meiner eigenen beruflichen Entwicklung widmen. Endlich eine Sache am Stück erledigen. Und dann kann der Kindergarten die Betreuung nicht leisten. Aus Personalmangel. Da guckt man dann ziemlich blöd aus der Wäsche. Dagegen tun, kann man auch erstmal gar nichts Und um das zu ändern, muss sich grundlegend in der Politik und in der Wertschätzung von erzieherischen Berufen etwas ändern. Das steht auf einem ganz anderen Blatt.

Wenn ich arbeite, bin ich eine bessere Mutter

Wenn also die Kinder nicht krank sind und die Kita genügend Personal hat, dann, ja dann ist es möglich zu arbeiten. Oh, wie ist das schön. Für mehrere Stunden am Stück nicht unterbrochen zu werden. Zumindest nicht mit einem „Mamaaa!!“ und wenn dann in ganzen Sätzen und wertschätzend von Kollegen. Aufgaben zu Ende zu machen und überhaupt, etwas beizutragen. Das ist solch ein befriedigendes Gefühl, dass ich selbst jetzt beim Schreiben dieser Zeile diesen wohligen Glimmer habe. Ich wusste nicht, wie sehr ich das vermisst habe. Es ist kaum in Worte zu fassen und die ganzen Bemühungen wert! Denn, wenn es mir als Mensch gut geht, kann ich auch eine bessere Mama sein!

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