Die ultimative Anleitung was beruflich zu organisieren ist, wenn du schwanger bist.

Der Schwangerschaftstest ist positiv und löst eine Welle von Gefühlen in dir aus. Freude, Aufregung, Unsicherheit vielleicht auch ein bisschen Angst. Angst vor dem Ungewissen und der Herausforderung. Als nächstes kommt in ungefilterter Reihenfolge eine ganze Salve Fragen und Aufgaben, die frau jetzt erledigen will. Unter anderem auch „Wie sage ich es meinem Arbeitgeber?“ und „Was muss ich wann machen?“. Hier eine kurze Übersicht für dich.

 

Schwanger – Wie sage ich es meinem Chef?

Bevor die Frage nach dem Wie kommt, stellt sich erst einmal die Frage nach dem Wann? Viele Frauen warten bis die 12. Schwangerschaftswoche vorbei ist, weil dann das Risiko einer Fehlgeburt deutlich niedriger ist. Es ist aber durchaus möglich die Schwangerschaft schon früher zu verkünden, z.B. sobald du den Mutterpass in Händen hältst. Als Schwangere stehen dir durch das Mutterschutzgesetz besondere Rechte zu. Welchen Zeitpunkt du wählst, bleibt dir überlassen, jedoch solltest du vorbereitet in das Gespräch gehen.

Versuche dich in die Rolle deines Arbeitgebers zu versetzen. Es fällt eine qualifizierte, eingearbeitete, produktive Frau weg, die – zumindest vorübergehend – ersetzt werden muss. Das bedeutet für ihn zusätzliche Arbeit und zusätzliche Kosten. Das soll nicht deine Sorge sein, aber dieses Wissen kannst du nutzen. Noch bist du im Unternehmen präsent und kaum einer kann sich vorstellen, wie die Abläufe ohne dich sind. Das ist auch ein Vorteil, den du für deine Rückkehr nutzen musst. Verlasse dich hier nicht auf deinen Arbeitgeber. Da müssen wir der Wahrheit ins Gesicht sehen. Wenn deine Stelle nachbesetzt wird und der Laden läuft, schwächst du deine Verhandlungsposition.

Suche das Gespräch mit deinem Arbeitgeber, informiere ihn über die Schwangerschaft. Teile ihm unbedingt mit, dass dir dein Job am Herzen liegt und du gemeinsam mit deinem Arbeitgeber gerne ein Rückkehrkonzept entwickeln möchtest. Vereinbart schon jetzt einen Termin, der im fünften bis siebten Schwangerschaftsmonat liegt. Kündige an, dass du dir Gedanken über deinen Ausstieg, die Aufgabenverteilung und deine Rückkehr machen wirst und das Ergebnis gemeinsam mit deinem Chef besprechen möchtest. Hier findest du mehr Infos zum Rückkehrgespräch und hier zu grundsätzlichen Fragen für deinen Wiedereinstieg

Wenn du noch mehr Anleitung willst, dann lade dir den kostenlosen Rückkehr-Planer herunter.

Deine Rückkehr clever planen

Jetzt hast du Zeit zum durchatmen und kannst dich sortieren. Der Termin für das Rückkehrgespräch steht und du kannst mit dir und deinem Partner klar werden, was ihr wollt. Bereite dich gezielt auf dein Rückkehrgespräch vor (siehe Kasten mit Leitfragen). Deinen Arbeitgeber interessiert vor allem wie lange du weg bleiben wirst und in welchem Umfang du wiederkommen möchtest.

Überlege dir auch, welche Aufgaben du bislang gerne übernommen hast und wo du dich im Unternehmen siehst. Wenn du jetzt vielleicht denkst „Woher soll ich denn das alles wissen, ich weiß doch noch gar nicht, wie mein Leben mit Baby sein wird.“, dann entspann dich. Das musst du auch gar nicht. Mache deinen Plan „Stand Jetzt“. Vereinbare mit deinem Arbeitgeber direkt noch einen Termin, wenn dein Baby ein paar Monate alt ist, um deine Pläne neu zu besprechen.

Du willst nach der Elternzeit in deinen alten Job zurück? – Finde Antworten auf diese Fragen

  • Wann will ich zurückkehren?
  • Kann ich während der Elternzeit Urlaubs- und Krankheitsvertretungen oder befristete Projekte übernehmen?
  • Welche Projekte/ Aufgaben habe ich betreut? Wer kann was übernehmen? Kann ich mein(e) Nachfolger(in) einarbeiten?
  • Wann möchte ich arbeiten?
  • Wie viele Stunden möchte ich arbeiten?
  • Möchte ich perspektivisch die Stundenzahl erhöhen? Wann?
  • Wie möchte ich die Stunden verteilen?
  • Kann ich von zu Hause aus arbeiten?
  • Wie kann ich mit dem Unternehmen in Kontakt bleiben?
  • In welchem Bereich möchte ich eingesetzt werden? Hierzu auch unbedingt: Welche alternativen Bereiche kann ich mir vorstellen? Wo sind meine Grenzen?
  • Kann und möchte ich mich in der Elternzeit fortbilden?
  • Wie ist die Kinderbetreuung organisiert? Wer kann im Notfall einspringen?

Konkrete Planung ist der Schlüssel zum Erfolg

Es ist wirklich wichtig, dass du dir diese Gedanken machst, bevor das Baby da ist. Momentan hast du eine gute Verhandlungsposition. Wenn du diese Gespräche auf später, wenn das Baby da ist, verschiebst, hat sich deine Firma schon neu-organisiert. Du bist dann diejenige, für die alles verschoben werden muss, damit es wieder läuft. Wenn von vorne herein klar ist, wie es sich verändert, können alle (auch deine Kollegen und Kolleginnen) viel besser damit arbeiten.

Ich mache dir ein plakatives Beispiel. Es ist September und das Gespräch bei den Schwiegereltern kommt auf die Weihnachtsplanung. Schwiegereltern sagen, sie würden gerne Weihnachten bei euch verbringen. So verbleibt ihr. Und dann ist der zweite Advent, dein Partner und du habt euch schon Gedanken über die genaue Weihnachtsplanung gemacht, vielleicht auch, was es zu essen gibt, wann Bescherung ist, ob und wann ihr in die Kirche geht und so weiter. Jetzt ruft deine Schwiegermutter an und gibt dir ihre genauen Vorstellungen durch, dass sie früh essen möchte, weil ihr das spät nicht bekommt, dass Kirche ein Muss ist. Dass sie pro Tag eine Stunde Mittagsschlaf machen möchte und wer weiß was noch alles. (Das kommt ganz auf die Schwiegermutter an). Fühl dich mal in den Gedanken rein. Das stresst. Eure Pläne müssen umgelegt werden, ihr müsst gegebenenfalls kurzfristig Kompromisse finden. Deine Schwiegermutter fühlt sich ein bisschen wie ein Störenfried an und nicht, wie Teil der Familie.

Wenn du deine Vorstellungen und Wünschen in deiner Firma zu spät kommunizierst, wird es deiner Firma genau so gehen.

Mutterschutz, Elterngeld, Elternzeit – es gibt viel Papierkram zu erledigen

Wenn du dich gedanklich mit deinem Wiedereinstieg beschäftigt hast, kannst du konkret sinnvolles für deinen Ausstieg tun. Viele Anträge und Papierkram kommt auf dich zu. Das Gute ist, alles davon kann man vorbereiten bevor das Baby da ist.

Mutterschutz und Mutterschaftsgeld

Mutterschutz bedeutet, du musst nicht mehr zur Arbeit gehen. Und zwar sechs Wochen vor dem errechneten Geburtstermin und acht Wochen nach der Geburt. In dieser Zeit erhältst du Mutterschaftsgeld, vorausgesetzt du bist Mitglied in einer gesetzlichen Krankenversicherung. Dein Arbeitgeber zahlt dazu noch einen Zuschuss, so dass du auf dein bisheriges monatliches Netto-Gehalt kommst. Privatversicherte bekommen 210€ über das Bundesversicherungsamt und einen Zuschuss des Arbeitgebers. Familienversicherte und Selbstständige ohne Anspruch auf Krankengeld bekommen kein Mutterschaftsgeld.

Elternzeit und Elterngeld

Achtung, hier herrscht oft Verwirrung. Elternzeit ist nicht die Zeit, in der du Elterngeld bekommst. Elternzeit ist eine unbezahlte Auszeit vom Beruf, die du insgesamt für drei Jahre nehmen kannst. In dieser Zeit stellt dich dein Arbeitgeber unbezahlt frei. Während dieser Phase stehen die Eltern (auch die Väter!) unter Kündigungsschutz und kehren danach an den alten Arbeitsplatz zurück.

Du kannst deine Elternzeit in drei Zeitabschnitte einteilen – zwei Teile vor dem dritten Geburtstag und ein Teil zwischen dem dritten Geburtstag und dem Tag vor dem achten Geburtstag. Währen der Elternzeit kannst du bis zu 30 Wochenstunden Teilzeit beschäftigt sein (falls dein Unternehmen mehr als 15 Mitarbeiter hat, hast du einen Rechtsanspruch darauf). Die Elternzeit für die ersten drei Lebensjahre musst du spätestens sieben Wochen vor Beginn beantragen. Für den Zeitraum zwischen drei und fast acht Jahren musst du die Elternzeit 13 Wochen vor deren Beginn anmelden.

Wer in Elternzeit ist, bekommt kein Gehalt, kann aber beim Staat eine Ersatzleitung beantragen. Das ist das Elterngeld. Das Elterngeld soll Familien unterstützen, damit nicht von jetzt auf gleich ein komplettes Einkommen wegfällt. Seit der Einführung 2007 hat sich in Sachen Elterngeld einiges getan. Aber keine Sorge, es ist nicht so kompliziert, wie es zunächst erscheint.

Es gibt maximal 14 Monate Basiselterngeld. Diese könnt ihr unterschiedlich aufteilen. Wenn nur ein Elternteil Elternzeit nimmt, gibt es nur zwölf Monate Geld. Damit es Geld für 14 Montag gibt, muss das andere Elternteil mindestens zwei Monate Elternzeit nehmen. Diese Monate werden oft Vätermonate genannt, was ich gelinde gesagt zum Kotzen finde, weil es das bestehende Rollenbild manifestiert. Es geht durchaus, dass die Mutter zwei Monate nimmt und der Vater zwölf. Das darf jede Familie so entscheiden, wie es für die jeweilige Lebenssituation am besten passt. Mein Appell hier, macht die Entscheidung nicht ausschließlich daran fest, wer mehr verdient.

Neben dem Basiselterngeld gibt es noch das ElterngeldPlus. Dabei kannst (musst aber nicht) du in Teilzeit arbeiten gehen und bekommst zusätzlich Elterngeld und zwar halb so viel wie beim Basiselterngeld, dafür doppelt so lange. Wenn ihr beide nach der Geburt zwischen 25 und 30 Wochenstunden arbeiten geht, bekommt ihr noch einen Partnerschaftsbonus in Form von vier zusätzlichen ElterngeldPlus Monaten. In dieser Zeit müsst ihr dann in Teilzeit arbeiten.

Das Elterngeld verstehen ist einfach. Kompliziert wird es, herauszufinden, welches Modell für euch das passendste ist. Nehmt euch dafür Zeit und sprecht über eure Lebensentwürfe und Zukunftspläne. Und auch hier gilt, natürlich kannst du nicht wissen, wie die Zukunft wird, aber du kannst sie dir ausmalen, Stand: Jetzt.

Möchtest du über neue Blogbeiträge, kostenlose Workshops oder neue Kurse informiert werden und regelmäßig Tipps & Tricks zum Thema Wiedereinstieg und Vereinbarkeit bekommen, dann werde kostenlos Mitglied im Inner Circle