Zurück in den Job nach der Elternzeit – Diese Fragen solltest du dir beantworten

Du denkst darüber nach ins Arbeitsleben zurück zu kehren? Das geht sicher mit gemischten Gefühlen einher. Ich kann mich gut daran erinnern. Bei mir war es so, dass ich mich sehr darauf gefreut habe, wieder mit Erwachsenen zu reden und dabei keine Kinderthemen zu haben. Außerdem wollte ich etwas beitragen. Ich arbeite einfach gerne. Und ich wollte wieder mein eigenes Geld verdienen. Auf der anderen Seite brach mir schon der Gedanke daran, meine Kinder nicht bei mir zu haben, das Herz. Das ist sicher auch ein Aspekt, über den du nachdenkst, wenn es um deinen Wiedereinstieg in den Job nach der Elternzeit geht. Darüber hinaus gibt es eine Reihe von Fragen, die du für dich beantworten solltest, um besser in das Berufsleben zurück zu kehren und nicht einer stressigen Zeit entgegen zu blicken. Eine Übesicht.

Dein Warum

Die allererste Frage, die du dir stellen solltest, wenn du wieder zurück in den Job gehst, ist die Frage nach dem Warum. Das klingt banal, ist aber elementar. Warum möchtest du wieder arbeiten gehen? Jede Mutter hat eine eigene Antwort darauf. Hier lohnt es sich, darauf zu schauen, damit später die Arbeit nicht zum Frustfaktor wird. Auf die Frage nach dem Warum gibt es verschiedene Kategorien. Ich möchte keine der Kategorien oder Gründe bewerten. Mein Ziel ist es, dass jede Familie für sich selbst ein Lebenskonzept entwirft, in dem alle Beteiligten zufrieden sind. Wenn deine erste Antwort ist, weil ich Muss, solltest du ganz genau hinschauen.

Geld und eigenes Einkommen

Ein Hauptgrund für den Wiedereinstieg ist das Geld. Entweder fehlt das zweite Einkommen, um den Lebensstandard zu halten oder es ist dir wichtig, dein eigenes Geld zu verdienen, um unabhängig zu sein. In jedem Fall lohnt es sich eine Liste aller Ausgaben zu machen, die monatlich anfallen. Vor allem, wenn immer mal wieder die Frage aufkommt „Wo ist das ganze Geld eigentlich hin?“ solltet ihr ein Haushaltsbuch führen. Nach drei Monaten lassen sich ganz gut Rückschlüsse ziehen, welche Ausgaben für euch wichtig sind und auf welche ihr gegebenenfalls verzichten könnt. Während meines BWL-Studiums habe ich sehr schnell gelernt, dass es zwei einfache Regeln gibt, damit mehr Geld da ist: 1. Es kommt mehr Geld rein. 2. Es geht weniger Geld raus. Finde deinen Grund, warum du Geld brauchst und wie du dazu kommen kannst.

Ein Haushaltsplan gibt einen guten Überblick über eure Ausgaben, deckt mögliches Sparpotential auf und klärt, wie viel Geld ihr wirklich benötigt, um euren Lebensstandard zu halten.

Anerkennung als Teil der Gesellschaft

Ein weiterer Grund, der bei mir auch Ausschlag gebend war, ist die Anerkennung. Leider ist Care Arbeit, also die nicht bezahlte Familienarbeit, in unserer Kultur nicht anerkannt. In meinen Augen ist das ein großer Missstand und muss dringend geändert werden. In der Berufswelt wird Mutterschaft noch nicht als Benefit angesehen. Meine Mission ist es, das zu ändern. Aber abseits von dieser Denke kann es während der Elternzeit dazu kommen, dass man sich gleichzeitig unterfordert und überfordert fühlt. Es fehlt der Austausch über fordernde Themen, Kontakt mit Kollegen und gegenseitige Anerkennung für die erfolgreich bearbeiteten Aufgaben. Während der Elternzeit kann es sich anfühlen, als wäre das Berufsleben eine andere Welt, in die man wieder eintauchen möchte. Wenn Anerkennung dein Antreiber ist, lohnt es sich genauer hinzuschauen, was in der aktuellen Lebensphase genau fehlt. Finde heraus, welche Aspekte der sozialen Anerkennung dir in deinem Job wichtig sind. Wenn du in das Arbeitsleben zurückkehrst und deine Bedürfnisse werden dort nicht bedient, wird dein Wiedereinstieg mit Frust verbunden sein. Wenn dir der direkte Austausch mit Kollegen wichtig ist, ist ein Wiedereinstieg im Homeoffice für dich keine gute Alternative und du wirst dich schnell zwischen Job und Kind aufreiben.

Berufliche Umorientierung – Oder vielleicht doch was anderes machen?

Was ist, wenn du nicht wirklich in deinen Job zurückkehren möchtest, weil du entweder sowieso nicht glücklich warst oder deine Werte und Bedürfnisse sich dahingehend verändert haben, dass du dich mit deinem alten Job nicht mehr richtig identifizieren kannst. Strebst du mit deinem Wiedereinstieg eine Veränderung an? Das ist in der ersten Erkenntnis verunsichernd. Das Leben hat sich mit Kind komplett verändert und jetzt soll auch noch eine berufliche Veränderung stattfinden? Da poppen doch direkt die inneren Stimmen auf, die dir zurufen: „Du bist zu alt. Was willst du überhaupt machen? Das wird zu anstrengend. Du weißt doch gar nicht, was du willst. Schuster bleib bei deinen Leisten….“ Das ist völlig normal. Lass sie reden. Grundsätzlich ist dieser innere Kritiker dazu da, uns zu schützen. Alles Ungewisse birgt unbekannte Risiken, die Energie und Kraft kosten. Kennst du das Sprichwort „Lieber den Spatz in der Hand, als die Taube auf dem Dach.“ Nimm das was du bekommen kannst. Wenn dir der Spatz allerdings Bauchschmerzen beschert, dann ist er nicht die bessere Lösung. Oft orientieren wir uns an dem, was für realistisch halten. Meistens ist viel mehr drin. Wenn du also vor einer Umorientierungsphase stehst, dann nutze deine Elternzeit. Es ist eine fantastische Gelegenheit, um dich nochmal neu auszurichten und dein Leben zu gestalten. Deine Zeit ist jetzt! Frage dich genau, was ist dein Ziel?

Welche Rahmenbedingungen wünschst du dir?

Wenn dir klar ist, warum du wieder arbeiten möchtest, was du arbeiten möchtest und was deine Antreiber sind, kommt ein wichtiger Aspekt, der in den meisten Rückkehr-Gesprächen vernachlässigt wird. Oft wird darüber gesprochen, wann und wie die Frau arbeiten kann. Es geht selten darum, wann und wie die Frau arbeiten will. (Hier kannst du mehr über die Planung  deines Rückkehr-Gesprächs lesen) Die Rückkehr nach der Elternzeit ist eine Umbruchphase, die du dazu nutzen kannst, dir optimale Bedingungen zu wünschen. Wenn du dann noch den Vorteil für deinen Arbeitgeber im Fokus behältst, hast du gute Chancen dir eine sehr gute Grundlage für Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu schaffen. Wenn du weißt wann und wie du arbeiten möchtest, kannst du mit einem konkreten Plan an deinen Arbeitgeber (oder potentiellen Arbeitgeber) herantreten. Falls du eine Anleitung für deine Rahmenbedingungen brauchst, kannst du dir hier deinen persönlichen Rückkehr-Plan kostenlos herunterladen. Was deine optimalen Rahmenbedingungen angeht, liegt es an dir, dich zu informieren, welche Möglichkeiten zur Umsetzung es gibt und was zu dir passt. Natürlich wäre es wünschenswert, wenn diese Aufgaben von deinem Arbeitgeber übernommen werden würden. Wenn da nichts kommt, liegt es in deiner Verantwortung. Deine Arbeit ist Teil deines Lebens.

Arbeitszeit-Modelle im Überblick, für alle, die nicht Vollzeit arbeiten wollen

Klassisches Teilzeitmodell

  • reduzierte tägliche Arbeitszeit
  • regelmäßige Verteilung der Arbeitsstunden
  • damit verbundenen besseren Planbarkeit von Anwesenheiten und Kinderbetreuungsbedarf
  • in aller Regel für alle Seiten am einfachsten umzusetzen

Variables Teilzeitmodell

  • reduzierte wöchentliche Arbeitszeit auf zwei bis fünf Tage verteilt
  • dabei kann die tägliche, wöchentliche oder monatliche Stundenzahl variieren
  • eignet sich besonders gut, wenn ein unterschiedlich starker Arbeitsanfall im Betrieb (zum Beispiel saisonale Schwankungen in der Auftragslage) und der Bedarf der Beschäftigten nach flexiblen Arbeitszeiten zueinander passen.

Abgestufte Teilzeit

  • ermöglicht einen sanften Einstieg in zwei oder drei Phasen
  • In einer ersten Phase arbeiten die Beschäftigten zunächst nur wenige Stunden pro Woche. Die Stundenanzahl wird dann in einem oder in mehreren Schritten aufgestockt.

Jobsharing

  • Jobsharing ist eine moderne Ausgestaltungsform der Teilzeitarbeit.
  • Mehrere Beschäftigte teilen einen Arbeitsplatz.
  • In der Regel Jobsplitting zwischen zwei Beschäftigten. Sie erledigen die Arbeiten, die in ihrem jeweiligen Zeitabschnitt anfallen, in eigener Verantwortung.
  • Die Arbeitszeit kann nach unterschiedlichen Modellen aufgeteilt sein: an einem Tag (vormittags/ nachmittags), tageweise oder wochenweise

Quelle: Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend

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